Yoga – Sport oder neue Weltanschauung?
PRESSEMITTEILUNG, Bad Nauheim, 22.09.2011
Kristin Herber, Diplom—Biologin und Yogalehrerin aus Bad Nauheim , referierte im Rahmen der Reihe „Gesund in Bad Nauheim“ des Kneipp-Vereins Bad Nauheim-Friedberg e.V. und des Vereins besser leben e.V. zu dem Thema „Yoga – Sport oder neue Weltanschauung“.
Kristin Herber eröffnete ihren Vortrag mit der Frage „Woran denken Sie, wenn Sie „Yoga“ oder „Sport“ hören. Sport ist seit Beginn der Zivilisation Teil der Gesellschaft. Von militärischen Wettbewerben des antiken China, Griechenland und Ägypten zu den Sportarten und Publikumsmagneten der beginnenden industriellen Revolution gilt er als Quelle der persönlichen Disziplin und Fitness aber auch de Lebenslust und der Leidenschaft. Mit Qualitäten wie Ausdauer, Wettbewerb und Leistung entspricht er damit dem heutigen leistungsorientierten Alltag. Es gilt der Leitspruch „Man kann ALLES erreichen, wenn man sich nur genügend ans-trengt“. Körperliche Energie und rationale Logik werden eingesetzt, um etwas zu erreichen und zu einem Ziel zu kommen. Es gilt als gesellschaftlich anerkannt, die eigenen körperlichen Grenzen immer wieder zu fordern. Werte wie Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Ge-lassenheit finden oft nur in der sogenannten „freien Zeit“ Berücksichtigung.
Auf der Suche nach Lebensfreude gehen viele Menschen zum Sport. Ist der Körper dafür zu müde, greift ma
n zunehmend auch zum passiven Zeitvertreib: dem Fernsehen. Leider wer-den Sinn und Lebensfragen oft erst nach dem Erscheinen von Krankheiten zugelassen. Manchmal scheint es sogar als seien im modernen Alltagsleben Lebensfreude, Lust, Glück getrennt von Geldverdienen, Arbeiten und Pflichten zu sehen.
Durch Übungen zum Mitmachen verdeutlichte die ausgebildete Yogalehrerin die Vorgehensweise im Yoga gegenüber der Sportpraxis. Die Übungen sollten den Vortragsteilnehmern verdeutlichen, dass parallel zu rational messbarer Leistung immer auch eine „fühlbare“ Innenwelt mit Gedanken und Gefühlen präsent ist.
Beide Welten (Innen und Außen) existieren genau jetzt in diesem Augenblick gleichzeitig im Wachbewusstsein. Die meisten Formen von Sport ignorieren oder vernachlässigen die „Innenwelt“. Eine Körperarbeit, die alle Ebenen einbezieht ist interessant, denn es geht nicht mehr lediglich darum, dass man Kalorien verbraucht oder Muskeln trainiert – sondern man bringt Bewusstheit in jede Bewegung und jeden Augenblick. Je häufiger sie praktiziert wird, desto stabiler wird ein „Bewusstes Sein“. Yoga kann man zusammengefasst erklären, als Training der bewussten Wahrnehmung von Körper und Geist.
Im Vergleich Yoga und Sport kann man am Ende des Vortrages sagen, dass mit Yoga außer Kraft, Beweglichkeit und Konzentrationsfähigkeit auch die Wahrnehmungsfähigkeit von Körper, Geist und Seele trainiert werden. Diese Form der Wahrnehmung realisiert sich in der Erfahrung von Entspannung. Daraus entstehen Zufriedenheit, Glück und Losgelöstheit.
Die Referentin fasst zusammen: Auf viele Art und Weisen repräsentiert Sport das Beste des menschlichen Geistes. Ein Sportler kann neben Muskelkraft und Beweglichkeit auch Virtualität, Licht und Transzendenz durch Sport finden. Ein Yogapraktizierender erfährt durch Yoga neben innerer Kraft und Gelassenheit auch reichlich Körperlichkeit.
Als Abschlusssatz gab Kristin Herber ihrem Publikum die Antwort auf ihre Eingangsfrage „Yoga- Sport oder neue Weltanschauung“ in dem sie sagte: Für das Auge des Betrachters erscheint Yoga primär als Sport (Körperbewegung + Posing). Die Yoga-Power jedoch liegt im „Innen“ und verändert damit die Perspektive auf die Welt.